Physiotherapie
Rafaela Wagner
therapeuten

Physiotherapie
Rafaela Wagner


Fröbelstr. 5
02727 Neugersdorf

Telefon: (03586) 70 28 47
Telefax: (03586) 6 75 23 33

Schreiben Sie uns

Gesundheitsnachrichten

Europäischer Tag der Logopädie 2024 am 6. März

Europäischer Tag der Logopädie 2024 am 6. März

Optimale logopädische Versorgung im multiprofessionellen Team

„Gesundheit und Lebensqualität durch Teamarbeit – Möglichkeiten der Logopädie kennen und nutzen!“ Unter diesem Motto informieren Logopädie-Verbände in vielen Ländern Europas am 6. März 2024, dem Europäischen Tag der Logopädie, über die Chancen und Möglichkeiten, die logopädische Diagnostik und Therapie für viele Menschen und die Gesellschaft als Ganzes bieten.

Dabei sind Logopäd*innen stets darauf bedacht, im Sinne ihrer Patient*innen eng mit anderen Professionen aus den Bereichen Medizin, Pflege, Therapie und Pädagogik sowie mit Familienmitgliedern und weiteren Betreuungspersonen zusammenzuarbeiteten. Denn nur durch die enge und kontinuierliche Verzahnung unterschiedlicher Kompetenzen aller an der Versorgung oder Betreuung der Patient*innen Beteiligten ist eine optimale Versorgung möglich.

Beispiel Krankenhaus

Ein Beispiel dafür ist die Teamarbeit im Krankenhaus. Hier ist die Entwöhnung der Patient*innen von der Beatmung ein klassisches multiprofessionelles Ziel, das am besten mit einem gut eingespielten Team unterschiedlicher Professionen erreicht werden kann. In vielen Krankenhäusern gibt es hierfür sogenannte Weaning -Teams, die sich regelmäßig zur bestmöglichen Behandlung ihrer Patient*innen besprechen und die nächsten Behandlungsschritte gemeinsam planen. Zu diesem Kreis gehören neben den Logopäd*innen die ärztlichen Kolleg*innen sowie die der Atmungs- und Physiotherapie, der Apotheke und des Sozialdienstes. Besonders wichtig sind die Pflegefachkräfte, die besonders nah mit den Patient*innen arbeiten und die meiste Zeit mit ihnen verbringen. Sie verfügen über sehr viele wertvolle und aktuelle Informationen, die beispielsweise das Sekretmanagement oder die Trachealkanülen-Versorgung betreffen und damit für die logopädische Behandlung von Schluck- und Sprach- bzw. Kommunikationsstörungen wichtig sind.

Beispiel Kindergarten

Ein weiteres Beispiel zeigt, dass die Logopädie nicht nur im klinischen Kontext bzw. mit Berufsgruppen aus dem Gesundheitsbereich zusammenarbeitet, sondern auch und intensiv mit Eltern und mit Fachkräften aus dem Bildungsbereich. So werden die Diagnostik und Therapie von Kindern mit Sprachentwicklungs- oder Sprechstörungen nicht nur mit den behandelnden Kinderärzt*innen sowie mit ggf. beteiligten anderen therapeutischen Disziplinen wie Ergo- oder Physiotherapie, sondern auch eng mit den Eltern und den pädagogischen Fachkräften in den Bildungseinrichtungen abgesprochen und abgestimmt. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil die Eltern ihr Kind auch im häuslichen Umfeld unterstützen können und sie zudem, ebenso wie die Kita-Mitarbeiterin oder der Grundschullehrer, über wichtige Hintergrundinformationen verfügen, die für die logopädische Diagnostik und Behandlung relevant sind.

Ob in der logopädischen Praxis, in Kliniken, Einrichtungen der Altenpflege, Rehazentren, sprachpädagogischen Beratungsstellen oder in Kindergärten und Grundschulen: Die Zusammenarbeit und der enge Austausch der Logopäd*innen mit ihren Kolleg*innen aus anderen Berufsgruppen ist stets geprägt von gegenseitigem Respekt, von der Anerkennung unterschiedlicher Kompetenzen und vor allem von dem Wunsch, Betroffenen die bestmögliche Behandlung und Begleitung zu bieten.

Experten-Hotline

Anlässlich des Europäischen Tages der Logopädie 2024 beantworten ausgewiesene Experten des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie e.V. Fragen von Personen aus Berufsgruppen, die in anderen Care-Bereichen mit Patient*innen der Logopädie befasst sind, sowie von Patient*innen selbst oder ihren Angehörigen. Sie können sich an unsere Expertenhotline wenden, die am 6. März 2024 unter der zentralen Telefonnummer 01805.35 35 32 zwischen 17.00 und 20.00 Uhr zur Verfügung steht. Hier erfahren sie, welche Möglichkeiten der Therapie und der Beratung und Unterstützung Logopäd*innen bieten, wie sie diese Ressource in Anspruch nehmen können und wie sie den oder die richtige Therapeutin finden. (Ein Anruf kostet 14 Cent/Minute aus allen deutschen Fest- und Mobilfunknetzen).

Zum Europäischen Tag der Logopädie

Der Europäische Tag der Logopädie wird am 6. März 2024 zum zwanzigsten Mal begangen. In Deutschland ist er auch im „Jahresplaner Gesundheitstage 2024“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gelistet. Ins Leben gerufen hat ihn der Europäische Dachverband der Nationalen Logopädie-Verbände, ESLA. Dem Dachverband gehören 35 Verbände aus zahlreichen europäischen Ländern an, die mehr als 40.000 Logopäd*innen repräsentieren.




Tag der Rückengesundheit am 15. März 2024

Tag der Rückengesundheit am 15. März 2024

Viele Wege, ein Ziel: ein starker und gesunder Rücken

Ein stechender Schmerz im Rücken, ein Ziehen am Gesäß oder sogar ein Kribbeln in Armen und Beinen: Drei von vier Deutschen leiden mindestens einmal im Leben unter Rückenschmerzen, manche dauerhaft. Vor allem bei chronischen Rückenschmerzen muss die Therapie passgenau und auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sein. „Dein Kompass zur Rückengesundheit“ lautet daher das Motto zum Tag der Rückengesundheit 2024. Der Aktionstag wird von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. und dem Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e. V. jährlich am 15. März veranstaltet, um gemeinsam mit Fachleuten auf wirksame Vorsorge- und Behandlungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Interessierte können bundesweit an zahlreichen Vor-Ort- oder Online-Veranstaltungen teilnehmen. Eine Übersicht bietet der Veranstaltungskalender auf: www.agr-ev.de/tdr

Rückenschmerzen sind neben Kopfschmerzen das häufigste Schmerzproblem in Deutschland. In einer Umfrage des Robert-Koch-Instituts bestätigten zwei Drittel der Befragten, dass sie in den letzten 12 Monaten unter Rückenschmerzen gelitten hätten. 15,5 Prozent der Befragten berichteten sogar von chronischen Rückenschmerzen, die länger als drei Monate anhalten. Rückenbeschwerden haben ein hohes Risiko für eine Chronifizierung und schränken die Lebensqualität stark ein. Soziale Kontakte, Reisen, Bewegung – alles wird mühsamer oder sogar undenkbar. Zudem entsteht ein großer volkswirtschaftlicher Schaden: Rückenschmerzen verursachen die meisten Arbeitsunfähigkeitstage.

Die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. und der Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e. V. wollen dies aktiv ändern: Gemeinsam veranstalten sie jährlich am 15. März den Tag der Rückengesundheit, um auf die Möglichkeiten zur Vorsorge und Behandlung von Rückenschmerzen hinzuweisen. Betroffene suchen oft monate- und sogar jahrelang nach wirksamen Behandlungen und Lösungen für ihre Schmerzen. „Mit dem diesjährigen Motto `Dein Kompass zur Rückengesundheit´ wollen wir den Menschen im Dschungel unzähliger Angebote und Empfehlungen Orientierung geben“, sagt Detlef Detjen, Geschäftsführer der AGR. „Jeder Mensch ist einzigartig und muss seinen individuellen Weg finden.“ Im Mittelpunkt des diesjährigen Aktionstages stehen zehn Empfehlungen, die wissenschaftlich untermauert sind. Praktisch erlernen und erleben kann man diese in zahlreichen Vor-Ort- und Online-Veranstaltungen, die rund um den 15. März bundesweit stattfinden.

Ein Tag ganz im Zeichen der Rückengesundheit

Aktuelle internationale Versorgungsleitlinien empfehlen, die medikamentösen und chirurgischen Behandlungen von Rückenbeschwerden zu reduzieren. Im Vordergrund sollen das körperliche Training und die Vermittlung von Fakten zur Rückengesundheit stehen. Und genau an diese Forderung knüpft das diesjährige Motto zum Tag der Rückengesundheit an.

„Jeder Mensch ist einzigartig, daher wollen wir wissenschaftlich fundierte Empfehlungen bieten, die aber individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt sein müssen“, sagt Ulrich Kuhnt, Vorsitzender des Direktoriums beim BdR sowie Sportwissenschaftler und Leiter der Rückenschule Hannover. „Es kann nicht den einen Weg zur Rückengesundheit geben, sondern jeder muss an seinen persönlichen Stellschrauben drehen.“ (Rücken-) Gesundheit sei bio-psycho-sozial zu betrachten, so Kuhnt. Sowohl der Körper als auch das seelische und soziale Wohlbefinden beeinflussen den Gesundheitszustand. „Wer sich schon viel bewegt, hat vielleicht noch Nachholbedarf im Hinblick auf Stressmanagement und Entspannung – oft kann man auch die Ernährung noch ausgewogener gestalten“, ergänzt Detlef Detjen.  Unabhängig vom Tag der Rückengesundheit sieht sich die Aktion Gesunder Rücken e. V. grundsätzlich als Wegweiser für ein Leben ohne Rückenbeschwerden. Sie informiert seit über 25 Jahren über Rückengesundheit und zeichnet ergonomische Produkte nach umfassender Prüfung durch ein Expertengremium mit dem AGR-Gütesiegel aus.

Wegweiser zur Rückengesundheit

Der Tag der Rückengesundheit lädt Gesundheitsexpertinnen und -experten dazu ein, ihre Türen für Interessierte zu öffnen, um auf die vielfältigen Angebote hinzuweisen. Im Veranstaltungskalender auf www.agr-ev.de/tdr können Therapierende, Praxen, Apotheken, Fitnessstudios oder Rückenschulen ihr Angebot kostenlos eintragen. AGR und BdR unterstützen mit wissenschaftlich fundierten Informationen, Öffentlichkeitsarbeit und Promotionsmaterial: www.agr-ev.de/tag-der-rueckengesundheit/infos-fuer-veranstalter

10 Empfehlungen für einen gesunden Rücken
Dein Kompass zur Rückengesundheit: Der Weg zu einem gesunden Rücken ist individuell. Wer für seine Rückengesundheit aktiv werden will, kann sich an 10 wissenschaftlich fundierten Empfehlungen von der Aktion Gesunder Rücken e. V. und dem Bundesverband deutscher Rückenschulen e. V. orientieren. Eine detaillierte Beschreibung gibt es im kostenlosen Booklet zum Tag der Rückengesundheit auf: www.agr-ev.de/tdr

  1. Gefühl: Vertraue Deinem inneren Kompass
  2. Aktivität: Baue Bewegung in Deinen Alltag ein
  3. Balance: Bringe Kopf und Becken ins Gleichgewicht
  4. Kraft: Stärke täglich Deine Rumpfmuskeln
  5. Zuversicht: Bleib auch bei Rückenschmerzen aktiv
  6. Entspannung: Fördere Deine psychische Ausgeglichenheit
  7. Lebensfreude: Pflege Deine sozialen Beziehungen
  8. Ergonomie: Gestalte Dein Umfeld rückenfreundlich
  9. Stoffwechsel: Unterstütze Deinen Körper durch bewusste Ernährung
  10. Schlaf: Nutze die Nacht als Zeit der Regeneration

Der Tag der Rückengesundheit macht jedes Jahr am 15. März deutschlandweit auf die Bedeutung der Rückengesundheit aufmerksam und informiert wissenschaftlich fundiert über Möglichkeiten zur Rückenschmerzprävention. Veranstalter sind die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. und der Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e. V. Bundesweit finden Vor-Ort- und Online-Vorträge, Ausstellungen und Mitmachaktionen für ein rückengesundes Leben statt. Praxen, Vereine und Fitnessstudios öffnen ihre Türen mit speziellen Gesundheitsangeboten. Fachleute tauschen sich im Vorfeld in einem Expertenworkshop über die neuesten wissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnisse aus, die anschließend praktisch erprobt werden. Weitere Informationen und Veranstaltungskalender unter: www.agr-ev.de/tdr




Bei Trennung, Scheidung, Patchworkfamilie

Bei Trennung, Scheidung, Patchworkfamilie

Eltern und Kinder auch emotional auffangen

Eine Trennung oder Scheidung hat ebenso wie das Leben als Patchworkfamilie immer Auswirkungen auf alle, insbesondere auf die Kinder. Die Folgen können sich auf ungeahnte Art und Weise zeigen; manchmal sind sie für die Eltern gar nicht sichtbar. „Kinder erleben eine Gefühlsachterbahn aus Ängsten und Selbstvorwürfen, wenn das propagierte Vorbild einer intakten Familie aus Vater, Mutter, Kind bröckelt oder neue Personen in das Familiensystem kommen“, bestätigt Sarah Henry, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.). Jedoch denken Erwachsene in einer Phase, in der sie sich selbst in einer emotional stark belasteten oder finanziell angespannten Lage befinden selten daran, ihren Kindern die Sorgen oder Schuldgefühle zu nehmen. Oder hierfür professionelle Hilfe zu holen. Dabei können spezialisierte Ergotherapeut:innen frühzeitig Kinder und Eltern unterstützen, damit alle Familienmitglieder eine solche Krise möglichst unbeschadet überstehen oder bei einem Neuanfang gut zusammenwachsen.

Oft gehen einer Trennung Konflikte voraus, die Eltern vermehrt vor den Kindern austragen. Doch unabhängig davon, ob es im Vorfeld Konflikte gibt oder nicht, stellen sich Kinder häufig Fragen wie: Bin ich schuld daran, dass Mama und Papa sich nicht mehr liebhaben? Sich streiten? Oder „am Ende“: sich trennen? „Kinder dürfen bei einer Trennung oder Scheidung nicht alleine gelassen werden“, betont die Ergotherapeutin Sarah Henry. Bei allem Verständnis für die Not der Eltern sagt sie: „Niemand hat sich eine solche Situation ausgesucht, aber die Kinder haben es am allerwenigsten“. Gerade bei ihnen entsteht jedoch leicht der größte (Entwicklungs-)Schaden.

Die Trennung oder Scheidung gut verarbeiten Die Ergotherapeutin bittet Eltern eindringlich darum, am besten schon bei beginnenden Partnerschaftsproblemen sehr genau auf ihr Kind zu schauen: Hat es, sofern es bereits in der Schule ist, dort Schwierigkeiten? Wie verhält es sich zuhause? Ist es stiller? Aggressiver? Hat es Schlafprobleme? Oder tut es so – und das ist das Schlimmste, was passieren kann – als ob gar nichts wäre? Dann ist davon auszugehen, dass das Kind versucht, alles mit sich alleine auszumachen und es sich von seinen negativen Gefühlen abspaltet. „Die Bandbreite von Anzeichen ist groß und ließe sich beliebig fortsetzen“, berichtet Sarah Henry aus ihrer langjährigen Erfahrung als Ergotherapeutin. Ihr ergotherapeutischer Background prägt ihre Arbeit und sie lenkt ihren Blick immer wieder auf das Ganze, also auch auf das Umfeld. Ist die Person, die erkennen soll, dass das Kind ein Problem hat, emotional dazu in der Lage? Wollte sie die Trennung und wie hat sie diese bisher verarbeitet? Was projiziert sie möglicherweise in das Kind oder die Kinder beziehungsweise empfindet sie die Probleme der Kinder als zusätzliche Belastung? Häufig geraten Kinder zwischen die Fronten, werden instrumentalisiert oder entwickeln durch das Verhalten und die Aussagen der Eltern Loyalitätsprobleme. Doch wäre es im Sinne eines gesunden Erwachsenwerdens für die Kinder entscheidend, wenn die Eltern ihre eigenen Bedürfnisse zur Seite stellen und im Sinne des Kindeswohls handeln.

Professionelle Unterstützung durch Ergotherapeut:innen für die gesamte Familie „Es gibt eine Vielfalt ergotherapeutischer Ansätze und Möglichkeiten, um in solchen Lebenslagen vernünftige, gut umsetzbare Verhaltens- und Bewältigungsstrategien zu erarbeiten – und zwar für alle; für die Eltern ebenso wie für die Kinder“, verweist Henry auf eine sinnvolle und zielgerichtete Vorgehensweise, um die Paarprobleme losgelöst von der Rolle als Eltern anzugehen und parallel die Kinder zu stärken. Um Schlimmeres zu verhindern, ist es ratsam, bereits bei anfänglichen Problemen eines Kindes mit dem Arzt oder der Ärztin zu sprechen. Ein zugewandter Arzt beziehungsweise Ärztin wird bei Schwierigkeiten, die auf eine beginnende Verhaltens- oder Entwicklungsstörung beim Kind hinweisen, beispielsweise Ergotherapie verordnen. Mögliche Diagnosen sind das Verbessern der Sozialkompetenzen des Kindes, eine Anpassungsstörung oder eine depressive Episode. Eine ergotherapeutische Intervention ist auch in Hinblick auf die weitere Zukunft der Familie von großer Bedeutung. Häufig kommen nach einer Trennung oder Scheidung neue Partner:innen ins Spiel. Mit oder ohne eigene Kinder oder mit gemeinsamen Kindern – alles kann bei den Kindern aus der jeweiligen Ursprungsfamilie weiteren oder neuen emotionalen Stress bewirken. Umso wichtiger, aktuelle Probleme zeitnah anzugehen.

Wenn es sich neu zusammenfügt: die Patchworkfamilie „Zentrale Themen für Kinder in einer Patchworkfamilie sind Eifersucht und Konkurrenzerleben, Gefühle von Benachteiligung oder Ungerechtigkeit“, lässt die Ergotherapeutin einen kleinen Blick auf die Gefühlswelt von Kindern in einer solchen familiären Situation zu und ergänzt: „Neue Partner:innen und deren Kinder oder neue gemeinsame Kinder entfachen oft neue Verlustängste oder verstärken bereits vorhandene, sofern sie nicht zuvor therapiert wurden“. Auch Identitätsfragen wie: „Werde ich jetzt ersetzt? Oder: „Wo gehöre ich in diesem System hin?“ beschäftigen diese Kinder. Aus der täglichen Praxis als Ergotherapeutin weiß Sarah Henry wie es meistens abläuft, wenn neue Partner:innen in Erscheinung treten und wie das System bereits dadurch ins Schlingern gerät oder sich Fronten bilden. Sie schlägt eine behutsame Annäherung aller Beteiligter vor. An deren Gelingen macht sich letztendlich auch die Zukunftsfähigkeit einer neuen Beziehung fest. Die Ergotherapeutin legt Eltern nahe, neue Partner:innen allmählich und im eigenem Tempo der Kinder zu integrieren. Zunächst den- oder diejenige namentlich zu erwähnen, von Treffen zwischen Mama oder Papa mit der neuen Bekanntschaft zu erzählen und Fotos zu zeigen. Ein erstes persönliches Kennenlernen sollte, so die Ergotherapeutin, auf neutralem Boden stattfinden. Je nach Alter der Kinder legt sie den Eltern ans Herz, zusammen zu spielen. Und bereits im Vorfeld bei allen klarzustellen: Das Kind und wirklich nur das Kind steht im Fokus und nicht etwa die neue Person. Auch Diskussionen vor dem Kind sind absolut tabu. Wenn es etwas zu besprechen gibt, so kann das nach dem Treffen erfolgen.

Neue Rollenverteilung in der Patchworkfamilie „Falsche oder unausgesprochene Erwartungen sowohl der Eltern als auch der neuen Partner:innen sind häufig ein weiteres Dilemma“, sagt Henry und betont, dass sie Familien, die sie ergotherapeutisch betreut, immer wieder darauf hinweist, was ein Kind im jeweiligen Alter können kann. Und was für eigene Entwicklungsaufgaben es außer den familiären Herausforderungen gerade zu bewältigen hat: Lesen, Schreiben, Rechnen lernen, Pubertät und so weiter. Ergotherapeut:innen, die wie Sarah Henry ihren Schwerpunkt in der Paar- und Familientherapie haben, befähigen ihre Klient:innen, die jeweiligen (neuen) Rollen in der Patchworkfamilie klar zu definieren und den Kindern einfühlsam aber bestimmt zu kommunizieren. Strukturen und Klarheit sind essenziell. Kinder müssen wissen, wer hat wann das Sagen und welche Regeln gelten in der Patchworkfamilie. „Das hilft außerdem, Reaktionen der Kinder wie „Du bist nicht mein Papa/ meine Mama, Du hast mir gar nichts zu sagen“ zu verhindern“, erklärt Henry. Kommen neue, gemeinsame Kinder hinzu, verändert sich die Dynamik im Familiensystem, Probleme spitzen sich häufig weiter zu. Die Kinder aus der vorherigen Beziehung fühlen sich meist benachteiligt, weniger geliebt. Unbewusst „funktionieren“ diese Kinder dann besser und leisten umso mehr, um – auch das geschieht unbewusst – den Eltern zu gefallen und mit ihrer Liebe und Aufmerksamkeit „belohnt“ zu werden.

Ergotherapeut:innen enttarnen spielerisch familiäre Muster Ergotherapeut:innen setzen gerne die Arbeitsmethode des gezielten Beobachtens ein. Ins Spiel vertieft zeigen Kinder – und wenn es um die gesamte Familie geht auch die Eltern – unverfälscht ihre typischen Verhaltensweisen und persönlichen Eigenschaften. „Will jemand unter allen Umständen gewinnen, dominiert eine:r die anderen, wer hält sich akribisch an Regeln und fordert das vom Rest der Familie ein, wer schummelt, wer ist laut, wer wirkt unbeteiligt? Aus diesen Beobachtungen lassen sich die Verhaltensweisen im Familienalltag ableiten“, erklärt die Ergotherapeutin, wie sie eine Grundlage für die gemeinsame Reflexion schafft: Was ist und wer kann was und wie ändern. Ebenfalls sehr zielführend und für die Selbsterkenntnis wegweisend sind Rollenspiele mit vertauschten Rollen: Die Kinder schlüpfen in die Rolle der Eltern und andersherum. Beide können davon profitieren. Oft staunen Eltern, wie das Kind auf ihr schlechtes Benehmen in der Kinderrolle reagiert und welche Erziehungsmaßnahme es für Mama oder Papa bereithält. Genauso erhellend kann es im umgekehrten Fall auf Eltern wirken. Sie bekommen ungefiltert gezeigt, wie das Kind ihr Verhalten wahrnimmt. Auch danach leitet die Ergotherapeutin jede und jeden Einzelne:n an, zu reflektieren und Vorschläge und Ideen zu entwickeln, um in Zukunft etwas anders zu machen. „Es hat einen ungemein positiven Effekt auf die Familiendynamik, wenn alle gemeinsam auf die bestehenden Schwierigkeiten schauen, an Lösungen arbeiten, sich zunehmend sowohl in ihren individuellen Bedürfnissen und ebenso als gesamtes System wahrnehmen und bereit sind, etwas zu ändern, um sich als neue Familie zu finden“, fasst die Ergotherapeutin zusammen.

Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche